Trinkwasser
Wie viel Sie lagern sollten, was es kostet und warum die drei offiziellen Antworten auseinandergehen.
Wasser fällt als Erstes aus und lässt sich am günstigsten absichern. Ein Haushalt übersteht eine Woche ohne Einkaufsmöglichkeit, ohne es groß zu merken. Zwei Tage ohne Wasser übersteht er nicht.
Es ist zugleich der Bereich, in dem die amtlichen Empfehlungen am weitesten auseinanderliegen. Deutschland, Österreich und die Schweiz nennen jeweils eine Zahl, und die drei stimmen nicht überein — nicht, weil eine davon falsch wäre, sondern weil sie Unterschiedliches messen. Diesen Unterschied zu kennen, ist der größte Teil der Arbeit.
Die drei amtlichen Zahlen
| Behörde | Pro Person und Tag | Für welchen Zeitraum | Gesamt pro Person |
|---|---|---|---|
| Deutschland — BBK | 2 Liter, davon 0,5 l zum Kochen | 10 Tage (mindestens 3) | 20 Liter |
| Österreich — oesterreich.gv.at | 2,5 Liter | 10–14 Tage | 35 Liter |
| Schweiz — BWL | 3 Liter | 3 Tage | 9 Liter |
Zur Einordnung: Die EU-Strategie für die Vorsorgeunion vom März 2025 empfiehlt den Mitgliedstaaten, Haushalte zu einem Vorrat für 72 Stunden zu bewegen. Alle drei nationalen Empfehlungen liegen auf oder über dieser Schwelle, die deutsche mehr als dreifach darüber.
Warum sie auseinandergehen
Die Schweizer neun Liter sind die engste der drei Zahlen und zugleich die ehrlichste darin. Die Broschüre des Bundesamts für wirtschaftliche Landesversorgung schreibt, die Menge solle im Notfall zum Trinken und Kochen für drei Tage reichen, und hält ausdrücklich fest, dass Brauchwasser für Körperhygiene und Toilettenspülung darin nicht berücksichtigt ist.
Die deutschen zwei Liter enthalten bereits einen halben Liter Kochwasser, der Trinkanteil liegt also bei 1,5 Litern. Das BBK differenziert an anderer Stelle weiter: Personen über 65 werden mit vollen 2 Litern Trinkwasser gerechnet, Kinder bis zwölf mit rund 1 Liter.
Österreich ist das einzige der drei Länder, das die Hygiene beziffert. Die Empfehlung trennt rund 1,5 Liter täglich zum Trinken von etwa 3,5 Litern, um ein Mindestmaß an Hygiene sicherzustellen. Daher die höchste Gesamtmenge — und daher auch die realistischste Darstellung dessen, was ein Haushalt tatsächlich verbraucht.
Womit wir rechnen. Zwei Liter pro Person und Tag für Trinken und Kochen, auf vierzehn Tage gerechnet — 28 Liter pro Person — und Brauchwasser getrennt behandelt statt in dieselben Flaschen gepackt. Das folgt der österreichischen Systematik, die sowohl am aktuellsten ist als auch als einzige das ganze Problem erfasst.
Was Sie kaufen sollten
Mineralwasser in Flaschen, und mit Kohlensäure statt still. Der Österreichische Zivilschutzverband empfiehlt kohlensäurehaltiges Wasser ausdrücklich wegen der längeren Haltbarkeit; gelöstes CO₂ hemmt das Keimwachstum.
Die Haltbarkeit hängt an der Flasche, nicht am Wasser. Die deutsche Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung nennt ein Mindesthaltbarkeitsdatum von rund zwei Jahren bei Glas und einem Jahr bei PET — PET ist durchlässig genug, dass die Kohlensäure mit der Zeit durch die Wand entweicht. Ungeöffnet und richtig gelagert hält das Wasser selbst deutlich länger als beide Daten. Dunkel, kühl und trocken lagern, und nicht neben Lösungsmitteln, Farbe oder Treibstoff: PET ist keine Geruchssperre.
Bei üblichen Supermarktpreisen von 0,25 bis 0,80 € je Liter kosten 28 Liter zwischen 10 und 20 € pro Person. Für die meisten Haushalte ist das die mit Abstand günstigste Vorsorgemaßnahme überhaupt — und die, die am häufigsten übersprungen wird.
Leitungswasser lagern
Das gehört klar gesagt: Weder Deutschland noch die Schweiz veröffentlichen eine Empfehlung zur Lagerung von Leitungswasser im Haushalt. Dieses Schweigen ist kein Urteil in die eine oder andere Richtung — das Thema kommt schlicht nicht vor.
In der Praxis lässt sich Leitungswasser in lebensmittelechten Behältern gut lagern, also in den 10- und 20-Liter-Kanistern aus dem Campingbedarf. Frisch befüllen, dicht verschließen, dunkel und kühl stellen, den Inhalt halbjährlich tauschen. Behandeln Sie gelagertes Leitungswasser als Brauch- und Kochreserve, nicht als Trinkreserve, solange Sie es nicht entkeimen — und verwenden Sie keine Behälter, in denen vorher etwas anderes war.
Brauchwasser und die Badewanne
Niemand lagert 3,5 Liter Waschwasser pro Person und Tag in Flaschen. Bei vier Personen über zwei Wochen sind das knapp 200 Liter.
Die österreichische Empfehlung nennt die naheliegende Antwort: In eine Badewanne passen rund 150 Liter, und sie rät, diese frühzeitig zu füllen, sobald sich eine Unterbrechung abzeichnet — etwa wenn das Leitungswasser für einige Tage Grenzwerte überschreiten könnte. Die Badewanne ist keine Lagerlösung, sondern eine Reaktion, und sie funktioniert nur, wenn Sie handeln, bevor der Druck abfällt.
Vorher anschaffen sollte man zwei 20-Liter-Kanister und einen Eimer. Das sind etwa 25 bis 40 €, es steht in einem Schrank, und es macht aus „kein Wasser aus der Leitung" eine Unannehmlichkeit statt einer Notlage.
Wasser trinkbar machen
Von den drei Ländern veröffentlicht nur Österreich eine Anleitung zur Wasseraufbereitung im Haushalt. Der aktuelle deutsche Ratgeber behandelt das Entkeimen von Brauchwasser und verweist im Übrigen an den Campingfachhandel; die Schweizer Bundesstellen schweigen dazu. Die drei folgenden Verfahren sind jene, die der Österreichische Zivilschutzverband beschreibt.
Abkochen. Rund eine Minute sprudelnd kochen. Das ist das zuverlässigste Verfahren gegen Bakterien, Viren und Einzeller — und es braucht eine Wärmequelle, die ohne Netzstrom auskommt.
Entkeimungstabletten. Silber- und chlorbasierte Tabletten vom Typ Micropur entkeimen das Wasser und machen es zugleich lagerfähig. Die österreichische Empfehlung beziffert die Kosten mit unter 20 € für 100 Liter und rät zu einer Packung als ständigem Bestandteil der Hausapotheke.
Solare Entkeimung (SODIS). Eine durchsichtige PET- oder Glasflasche von 0,5 bis 2,5 Litern zu drei Vierteln füllen, schütteln, um Sauerstoff einzubringen, und liegend rund sechs Stunden in die volle Sonne legen — bei Bewölkung etwa drei Tage. Der Zivilschutzverband beziffert die Keimreduktion nach WHO mit 30 bis 80 Prozent, mit steigender Wirkung ab 50 °C Wassertemperatur. Ein Rückfallverfahren, keine erste Wahl.
Keines dieser Verfahren entfernt chemische Verunreinigungen, Schwermetalle oder Treibstoff. Entkeimen ist nicht dasselbe wie Reinigen. Trübes Wasser vorher filtern — Österreich beschreibt dafür einen improvisierten Sand- und Holzkohlefilter — und bei Verdacht auf chemische Belastung gar nicht erst trinken.
Ein Schwerkraft- oder Pumpfilter mit Zulassung für Bakterien und Einzeller deckt die meisten europäischen Szenarien allein ab; gegen Viren in Kombination mit Tabletten. Das ist eine Anschaffung zwischen 40 und 150 € und der einzige Posten in diesem Bereich, für den sich echtes Geld lohnt.
Den Vorrat tauschen
Österreich verankert das an einem Datum, und genau dieses Detail sorgt dafür, dass es tatsächlich passiert: der erste Samstag im Oktober, der Tag des bundesweiten Zivilschutz-Probealarms. Einen Vormittag im Jahr Daten prüfen, Angebrochenes austrinken, nachkaufen.
Ein Vorrat, den man nie tauscht, ist ein Vorrat, von dem man in dem Moment, in dem man ihn braucht, feststellt, dass er zwölf Jahre alt ist.
Womit ein Haushalt rechnen muss
| Posten | Ungefähre Kosten |
|---|---|
| 28 Liter Flaschenwasser pro Person | 10–20 € pro Person |
| Zwei 20-Liter-Kanister (lebensmittelecht) und ein Eimer | 25–40 € |
| Entkeimungstabletten, eine Packung | rund 20 € |
| Schwerkraft- oder Pumpfilter (optional, die ernsthafte Variante) | 40–150 € |
Ein Zwei-Personen-Haushalt deckt die ersten drei Zeilen für rund 70 bis 100 € einmalig ab, danach etwa 20 € jährlich für den Austausch. Dem steht gegenüber, dass dies der einzige Bereich ist, in dem die Folgen fehlender Vorsorge binnen 48 Stunden eintreten.
Drei Dinge für diese Woche
1. Zählen Sie, was gerade in der Wohnung steht, in Litern. Die meisten Menschen überrascht das Ergebnis — in die eine oder die andere Richtung.
2. Kaufen Sie die Differenz in einem einzigen Einkauf. 28 Liter pro Person sind für ein Paar etwa fünf Sixpacks.
3. Tragen Sie den ersten Samstag im Oktober jährlich wiederkehrend in den Kalender ein.
Quellen. Deutschland: BBK, Bevorraten und BLE zur Lagerung von Mineralwasser. Österreich: oesterreich.gv.at, Selbstschutz und der Ratgeber des Zivilschutzverbands. Schweiz: BWL, Kluger Rat — Notvorrat. Stand der Zahlen: 31. Oktober 2026.